Im Wissen, dass Philosophie einen kritischen Verstand schafft und schärft, habe ich mal wieder zu Sokrates, Kant und Voltaire gegriffen. Denn wenn wir philosophischer denken, fragen wir mehr nach dem WARUM, dadurch leben wir viel authentischer, damit schärft man die eigene Wahrnehmung, man lernt intensiver zu leben und zu lieben.

Die Grundsatzfragen: Wer bin ich? Was will ich? sind rein philosophischer Natur und gehen wir ihnen nach, entdecken wir viel Resonanz, Erkenntnis und neue Perspektiven, die wir vorher nicht gesehen haben. Ein Raumfahrer wurde nach seinem ultimativen Erlebnis befragt und er meinte: „Unseren blauen und grünen Planeten so von oben herab zu sehen, dass hätte ihn tief ergriffen und seine Sichtweisen total verändert„. So ähnlich wird es dem gehen, der sich auf die Reise nach innen begibt, seine Perspektiven werden sich verschieben. Wer sich viele Fragen stellt, muss zwangsläufig auch den eigenen Lebensstil überdenken.

Werden meine individuellen Bedürfnissen erfüllt? Gelingt mir ein lebendiger Kontakt in meinen menschlichen Beziehungen? Lebe ich innere Harmonie? Wie bleibe ich inmitten aller Hektik gesammelt?

Tatsächlich sind gewisse Lebensbedingungen für innere und äußere Harmonie zuträglicher. Es ist nicht das einfache Leben, sonder das vielfache, vor dem uns die Philosophen waren. Das einfache leben führt zur Sammlung, das vielfache zur Zersplitterung, es irritiert die Seele.  Der Philosoph Plotin hat davor gewarnt: Wie erstrebenswert und fern ist das Idealbild des kontemplativen Menschen, wie leicht wird unsere Seele verletzt und wie finde ich im Wirrwarr von Vielfalt meine EIN-SICHT?

Mit der Kunst des Einschränkens lernt man, wie wenig man braucht. Diese Erkenntnis ist geheimnisvoll übergreifend. Jetzt können wir auch die Heuchelei in den menschlichen Beziehungen ablegen und erfahren wie ausruhend das ist. Man entdeckt, wie anstrengend die gesellschaftlichen Unaufrichtigkeiten waren.

Lebensstil: Sie haben die Wahl

Wir haben die freie Wahl zwischen einfachem und kompliziertem Leben. Wenn wir uns umblicken, staunen wir: die meisten von uns, die wir Einfachheit wählen könnten, wählen die Komplikation. Die moderne Gesellschaft hat uns die Individualität geraubt – wie Google unsere Daten – wir scheinen heute entsetzliche Angst vor dem Alleinsein zu haben und  sind bereit alles zu akzeptieren, um es nie dazu kommen zu lassen. Wir dröhnen uns zu, um das innere Vakuum zu füllen.

Wer sich dennoch  in der Kunst des Alleinsein übt, entdeckt etwas Erstaunliches:

Das Leben umspült uns wie eine Insel im Meer, wir erleben uns unversehrt, in sich gestillt, im Einklang mit uns selbst und der Natur. Im zeitweiligen Alleinsein ist man seinen Mitmenschen näher, weil ohne Zugang zum eigenen Ich, finde ich auch keinen Zugang zu anderen. Denn es ist nicht die körperliche Einsamkeit, die uns von anderen Menschen trennt, nein, es ist die seelische Isoliertheit, durch die wir verloren streifen. Der Weg zu unseren eigene Quellen führt über philosophische Gedanken und das Fernhalten von sinnlosen Zerstreuungen und unnötigen Getändel.

Das gilt auch für die Beziehung zwischen Mann und Frau. Der Anfang ist immer unbelastet und schön. Frei von Ansprüchen und Belastungen. Rasch ändert sich die Beziehung, sie wird kompliziert, durch Berührung mit der Außenwelt, durch die Lawine von Pflichten und Alltag. Die Enttäuschung darüber, sie nicht in ihrer ursprünglichen Form bewahren zu können, führt oft zum Bruch.

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