Herbstwandern am Wilden Kaiser und in den Mooren der Biedringer Platte
Natur10
Hütten9
Unterkunft10
Schwierigkeitsgrad2
Kondition2
6.6Gesamt:

Der Ort Ellmau liegt in Tirol und hat so ganz nebenbei alles was ein Wanderherz höher schlagen lässt. Sie glauben es nicht? Schön, nach dem Lesen meines Wanderberichts sind Sie sicher meiner Meinung.

Herbstwandern  im Banne des Wilden Kaisers und in den wild- mystischen Mooren der Biedringer Platte

Wir haben uns in Ellmau bei Peter und Brigitte einquadiert und vom Balkon unseres Zimmer blickt der Wilde Kaiser auf uns herab, als würde er sagen: Traut’s euch aufa zu mir?

Eh klar, deswegn sama ja do (ugs).

Die Herbstsonne strahlt die gigantischen und  respekteinflößenden Gipfel des Wilden und des Zahmen Kaisers an und das ganze Massiv glänzt silbrig im Abendsonnenschein. Das tut der „Kaiser“ deswegen, weil er vorwiegend aus Wettersteinkalk besteht, an dem sich das Licht bricht und der diesen plastischen Silberglanz erzeugt.

Den „Chaiser“, so die mittelalterliche Schreibweise, hat immer eine mystische Aura umgeben, darum ranken sich auch so viele Sagen um ihn.

Unsere Tour führt uns vom Golfplatz zum Ortsteil Wimm, weiter durch den Wald und über den Weiler Riesen bis zur Biedringer Platte und  über die  Almwiesen wandern wir hinauf zur Riedlhütte. Dafür werden wir mit einem Blick über die Kitzbühler Alpen belohnt, der atemberaubend ist.

Dann wird der Anstieg steiler und steiler, hinauf zur  Grutten (Gruttenhüttenweg Nr. 23). Die Grutten ist die höchstgelegene Hütte am Wilden Kaiser. Von dort ist der Blick nicht mehr atemberaubend, sondern still und einfach ergreifend und grandios!

Am Rückweg tanken wir noch „Energie“ am Kraftplatz des Ellmauer Steinkreises und tatsächlich marschieren wir wie „frisch aufgeladen“ weiter zur Wochenbrunner Alm. Nach einer delikaten Stärkung laufen wir wieder in Ellmau ein.

Die Moore südlich des Wilden Kaisers  – Kraftwerke der Natur

Moore durchwandern ist wie: dem eigenen Lebensstil schöpferische Pausen gönnen, in denen der Geist erwacht und uns voraus wandert, er überschlägt sich in lässigen Windungen und er wird ruhig und wir empfinden eine innere, spirituelle Harmonie.

Das moderne Leben beherbergt Irritationen und Zersplitterung und wie fern ist uns oft das Ideal vom kontemplativen Leben. In der ungebändigten Moorlandschaft findet unsere Seele wieder den verlorenen Weg zu den Quellen, die uns nähren und im Vergleich mit der Stille des Moores finden wir etwas verloren Gegangenes wieder: die Ein-Sicht!

Biedringer Platte

Die Moore der Biedringer Platte ziehen sich von Going bis Ellmau. Doch Moor ist nicht gleich Moor: hier finden wir neben Gehänge- und Deckenmoor auch das seltene und mystische Kermimoor, erstaunlich ähnlich den Tundrenmooren in Sibirien.

Moore, geboren im Trias (vor mehr als 200 Millionenjahren), genährt vom saurem Bundsandstein. Im Trias glühte der Klima-Ofen derart, dass sämtliche Seen austrockneten, es entstand roter Bundsandstein, dessen Röte kam von den vielen Eisen-Oxide-Anteilen. Vor 3000 Jahren haben unsere Vorfahren bereits die Moore durch Feuerrodung besiedelt. Schon Germanen und Bajuvaren wussten, dass das Moor Leichen konserviert. Die Entstehung von Moorleichen ist hochkompliziert, denn Konservierung setzt nur ein, wenn die Opfer im Herbst oder Frühjahr im Moor versinken. Nur dann sind die Temperaturen passend! Manche Moose sondern Substanzen ab, die Bakterien in der Leiche töten. Andere Moose wiederum produzieren Stoffe, die Knochen auflösen und die Haut zu Leder gerben. Niemand weiß, wieviele Tote und Tierleichen noch in Mooren liegen und warum sie wirklich versanken.

Doch zurück zu den Naturschönheiten der Moore

Die Basispflanze ist der „Torfmoos“, ein gigantischer Wasserspeicher. Hier finden wir auch den „Sonnentau“, eine fleischfressende Pflanze. Im Frühjahr erblühen die „Wollgräser“ und verleihen den Mooren rund um den Wilden Kaiser einen weißen Brautschleier.

Impressionen: Wilder Kaiser – Ellmauer Moor

Rund um das Kaisergebirge liegt die „Schwemm“ der größte Moorkomplex Nordtirols und die Artenbesiedelung ist einzigartig. Seltene Vogelarten, wie den vom Aussterben bedrohten „Blutweiderich und die „Bekassine“ brüten nur in diesen Mooren. Und wer beim Verlassen der Moorlandschaft noch einen Blick zurückwirft, dem dünkt, der majestätische Wilde Kaiser wacht über seine Moore und dessen Bewohner und es scheint, er wüßte um das unglaublich Kostbare der Schönheit unserer Natur.

Anmeldungen zu Moorwanderungen: www.alpen-moorallianz.eu

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