Wir leben in einer Gesellschaft, die uns völlig falsche Vorstellungen von „Liebe“ übermittelt. Alle großen Tragödien der Weltliteratur vermitteln uns völlig irreale Vorbilder sogenannter großer Gefühle.

Unzählige Filme, Klassiker, Schlager interpretieren das Märchen von der Macht der Liebe und der großen Gefühle, die ein Leben lang dauern soll. Und dann kommt das Alltagsleben und die großen Gefühle geraten unter die Räder und Paare, deren Anfang so vielversprechend schien, scheitern an den Banalitäten des Alltages. Und der Absturz tut weh und hinterlässt Enttäuschungswunden.

Ich bin mit Dir so hoch geflogen – doch der Himmel war besetzt…

All die Märchen, die wir schon als kleine Kinder inhalieren, ebenso wie die, von unserer Kultur vorgegeben Geschlechterrollen und die Schlager, die wir täglich hören, leiten uns in die Irre. Die Geschichten haben nicht Bestand im wirklichen Leben, weil sie uns verleiten, zu hoch zu fliegen. Und dieser Höhenflug ist schon vorprogrammiert für den kommenden Absturz.

Liebe & Partnerschaft

Glücklicher leben…

Doch wir könnten alle viel glücklicher leben, würden wir nicht so märchenorient, so erwartungsvoll der sogenannten großen Liebe gegenüberstehen. Den anderen so zu akzeptieren, wie er ist, ihn nicht aus egoistischen Motiven verändern zu wollen, das ist die hohe Kunst der Liebe, der langjährigen Lebensverbindung. Es fängt damit an, dass die einzige Quelle für „Glück“ in uns selbst zu suchen ist und nicht in einem anderen Menschen. Wenn jeder sich ausschließlich nur um seine eigene Weiterentwicklung kümmert und darauf verzichtet, einen anderen mit Intrigen und Manipulation zu verändern zu wollen, dann gäbe es viele glückliche Paarbeziehungen. Denn der Versuch, einen anderen Menschen zu verändern, ist von vornherein frustrierend und endet oft mit anklagender Enttäuschung.

Und dann beginnt ein unheilvoller Kreislauf: das sogenannte Täter (T), Opfer (O), Retter (R)  und Verfolger (V) Spiel, das viele Paare kennen, allerdings nehmen wir dieses Spiel nicht in der Bewusstseins-Ebene wahr.

Spiele“ sind Interaktionen, die sehr unbewusst verwendet werden, um etwas durchzusetzen oder den anderen nach unseren Wünschen zu manipulieren. Es ist keiner von uns frei von solchen  Reaktionsmustern.

Liebe: Das Täter-Opfer-Verfolger-Spiel

FREI macht uns das Wissen darum,nur dann können wir die stereotypen Muster durchbrechen. Szene: Ein Mann kommt spät heim,  Frau wartet und ihr Frust-Pegel ist bereits im roten Bereich.

Der typische „Retter-Verfolger-Opfer“ Dialog:

Sie, pikiert (O) „Wo warst Du, warum kannst du nicht wenigstens anrufen, ich habe extra für dich gekocht!“

Er (R) zerknirscht: Dann brauchst du morgen nur mehr aufwärmen und ich verspreche, das nächste Mal anzurufen, wenn es später wird.

Sie (V) in Rage: Das hast du schon oft versprochen, offenbar bin ich es dir nicht wert und es ist dir egal, dass ich mir Sorgen mache!

Er (O) ich kann es dir ja nie recht machen.

Sie (R) nachgiebig: Das stimmt nicht, aber ich mache mir deinetwegen Sorgen…

Das Spiel von Retter, Verfolger und Opfer wird in vielen Beziehungen in der Endlos-Schleife gespielt. Auf Anschuldigung folgt Gegenbeschuldigung, auf  Vorwurf Anklage, usw.

Dieselbe Szene mit ganz anderen Reaktionsmustern:

Sie geniest den Abend alleine und nimmt ein Entspannungbad. Und um sich nicht zu ärgern, über sein taktloses Ausbleiben, spricht sie sich eine AFFIRMATION vor: „Innere Gelassenheit breitet sich in mir aus und ich genieße die Ruhe um mich herum“.  Die Affirmation (positive Bejahung) wiederholt sie solange, bis sie wirklich ruhig und ruhiger wird, dann begibt  sie sich wohlig zu Bett.

Als er spät nach Mitternacht heim kommt, ist sie längst eingeschlafen. Kurz wacht sie auf und sagt gelassen: „Hallo, schau dass du ins Bett kommst, damit du morgen fit bist„.

Er hat eine Szene erwartet und ein Streit würde seine Schuldgefühle kleiner machen, denn dann könnte er sie als streitsüchtig beschuldigen. Durch ihr entspanntes Weiterschlafen, muss er mit seinen Schuldgefühlen alleine fertig werden. Er ist verblüfft. Sie leidet nicht wegen seines späten Heimkommens!

Das Täter-Opfer-Verfolger-Spiel ist wie eine Tennis-Partie. Der, der den Ball ins Leere gehen lässt, gewinnt die Partie!

In allen Bereichen zwischenmenschlicher Konfrontationen, ob Privat oder Beruf, erweist sich oft, den Ball vorbeifliegen zu lassen, als beste Idee. Denn wer nicht jeden Ball zurückschlägt, verliert auch nicht die eigene Würde und dann ist auch der Himmel nicht besetzt.