Zum Thema „Liebe“ gibt es unzählige literarische Ergüsse. Mit Lyrik und Liebesromane könnte man die gesamte Erdoberfläche zukleistern. Zugegeben, es liest sich ja alles recht schön und stimuliert meine romantische Ader – doch was verbirgt sich wirklich hinter der Liebe?

Neurobiologie der Liebe

Zum Phänomen „Liebe“ würde ein Neurobiologe uns folgende Geschichte auftischen: Phenyläthylamin (kurz PEA), das ein Ableger von Amphetamin ist, schwappt auf und lässt das Hormon in Gehirnregionen vordringen, die bei sexueller Erregung aktiviert werden. Die Folgereaktion sind Lust und Verlangen.

Im Blut von Liebenden finden sich große Konzentrationen von PEA, das man auch das Liebesmolekül nennt. Diese Konzentration bewirkt ein Gefühl von leidenschaftlicher Verliebtheit. Nota bene, auch Schokolade enthält Phenyläthylamin. Und deswegen galt Schokolade früher als anrüchig! Quasi ein Aphrodisiakum! Und aus eben diesem Grunde durften Nonnen früher keine Schokolade essen. Hingegen Priester schon! Man sieht: Die Welt war nie gerecht. PEA wirkt übrigens auch ähnlich einem Appetitzügler. Drum haben Liebende auch keinen Hunger. Außer den auf einander. Doch PEA ist eine kleine Zaubersubstanz und hat erhebliche Macht über uns! Die These besagt also: Phenylethylamin löst romantische Liebesgefühle aus. So weit so gut…

Liebe ist nur eine anständige Krach’n?

Bei Verliebten werden Gehirnregionen aktiviert, die auch durch den Konsum von Kokain angeregt werden.

Verlieben wir uns, sorgen zusätzlich dazu verschiedene Botenstoffe für Euphorie (Dopamin), Aufregung (Adrenalin), rauschartige Glücksgefühle und tiefes Wohlbefinden (Endorphin und Cortisol). Der Serotoninspiegel sinkt stark ab. Wodurch der Zustand der Verliebtheit eine Ähnlichkeit mit vielen psychischen Krankheiten hat. Wir wissen, „Verliebte“ befinden sich zeitweise im Zustand der Unzurechnungsfähigkeit und lassen sich bisweilen zu irrationalen Handlungen hinreißen.

Ihre Hypophyse verhält sich ungefähr so wie eine Flak-Batterie, sie feuert unablässig Botenstoffe ab, bis ihr nach 24-36 Monaten die Munition ausgeht. Für eine Invasion mehr als ausreichend. Nach diesem Angriff beendet das Gehirn seinen sensorischen Ausnahmezustand und Sie werden wieder nüchtern. Sollten Sie in dieser Zeit etwas „Irrationales“ getan haben, können Sie möglicherweise auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren. Ob Sie aber damit durchkommen, steht auf einem anderen Blatt. Ergo: Vertrauen Sie lieber Ihrem präfrontalem Cortex als dem limbischen System.

Katerstimmung nach der Liebe?

Das kennen wir alle. Mr. oder Mrs. Right entpuppte sich nach dem Hormon-Tsunami als Blindgänger. Das Objekt der Begierde, eben noch auf der Showbühne, verschwindet sang- und klanglos wie ein C-Promi in der Masse. Ein kurzes Winken und die Versicherung Bleiben wir doch Freunde ist genauso langlebig wie die Lebenserwartung einer Stubenfliege.

Wir passten einfach nicht zueinander…

Wenn wir uns vor Augen halten, dass die „Liebe“ nichts anderes als ein emotionaler Rauschzustand ist, stellt sich die Frage, ob wir in „nüchternen“ Zustand der Beziehung den Todesstoß versetzen und uns weiterhin auf die Suche nach dem ultimativen Hormon-Kick begeben. Oder aber, wir freuen uns daran, was wir haben und versuchen, ähnlich wie ein Spiegel-Trinker, der Hypophyse neuen Stoff zu liefern. Sollten wir es selbst nicht auf die Reihe bringen, hilft gegen ein kleines Körberlgeld für die Paartherapie oder etwas teurer, ein Scheidungsanwalt.

Fazit:

Geben Sie sich und der Liebe eine faire Chance. Werfen Sie die Flinte nicht vorschnell ins Korn und bedenken Sie, nach rund 2 Jahren geht dasselbe Spiel wieder von vorne los. Endlich „ankommen“ sieht anders aus.