Der EIN-PLATINEN-COMUTER Raspberry Pi ist nicht nur eine spaßige und supergünstige Alternative für einen PC. Sie können mit dem Raspberry Pi auch einen eigenen Web-Server betreiben. Wie das geht und welche pfiffigen Möglichkeiten Sie damit haben, erfahren Sie in diesem Beitrag!

Raspberry Pi: Warum sollte ich einen eigenen Web Server wollen?

Nun, zum einen als lustige Spielerei für angehende Linux-Fans und zum anderen, weil der Raspberry Pi mit seinem geringen Stromverbrauch ein idealer Kandidat für einen eigenen Web Server ist. Möglicherweise möchten Sie mit Ihrem zukünftigen Raspberry Pi Web Server auch:

Der Abwehrchef meint: Wenn Sie Ihren eigenen Web Server betreiben, sind Sie Herr über Ihre Daten. Nahezu „abhörsicher„, denn Sie bestimmen, wann und wem Sie die Ihre Daten zur Verfügung stellen.

Step-by-step: Den Raspberry Pi als Webserver nutzen

Dieses Projekt sieht vor, den Raspberry Pi als Apache Webserver mit MySQL und PHP in einer sogenannten „Headless“ Konfiguration aufzusetzen. Dh. Der Raspberry wird direkt mit Ihrem Rooter mit einem Netzwerkkabel verbunden und benötigt so keinen eigenen Monitor. Zugriff auf Ihren zukünftigen Webserver erhalten Sie bequem von Ihrem Arbeitsplatz aus mit WinSCP und PuTTY.

Diese Zutaten benötigen Sie um das Projekt Raspberry Webserver auf Schiene zu bringen

  • Raspberry Pi Platine
  • Gehäuse (nicht unbedingt notwendig, sieht aber gleich viel besser aus)
  • Eine flotte 16 GB SD Karte
  • Netzwerkkabel
  • Ein Netzteil (nehmen Sie dafür ein altes Ladegerät Ihres Smartphones mit Mirco USB Stecker)
  • Betriebssystem: Rasbian Debian Wheezy (kostenlos)
  • Win32Disk Imager (kostenlos)
  • WinSCP und PuTTY (kostenlos)

Das Betriebssystem für den Rasberry Pi herunterladen

Zum Betrieb des Raspberry Pi benötigen Sie als Erstes ein Betriebssystem. Basierend auf Linux, gibt es dafür „Rasbian„. Das Betriebssystem können Sie als Image Datei auf raspberry.org kostenlos als Zip-Datei herunterladen.

Nach dem Download der Zip-Datei, entpacken Sie das Archiv, legen Ihre SD-Karte in den Kartenslot ein und übertragen das Image auf Ihre SD Karte. Ich bevorzuge dazu die Open Source Software „Win32DiskImager„. Falls Sie keine Software zum schreiben eines Images haben, laden Sie sich den Win32DiskImager herunter und installieren Sie ihn.

Win32DiskImager

Starten Sie den Win32DiskImager und wählen Sie Ihre zuvor entpackte Image-Datei aus. Achten Sie unbedingt darauf, dass Ihre SD Karte bereits im Karten-Slot steckt und der richtige Laufwerksbuchstabe im Dropdown „Device“ steht. Klicken Sie auf „Write„. Der „Progress Balken zeigt Ihnen den Fortschritt des Schreib-Vorgangs an. Der Vorgang ist abgeschlossen, wenn das Fenster „Write Successful“ erscheint. Nach dem Schreibvorgang nehmen Sie die SD Karte aus dem Laufwerk und stecken sie in den Karten-Slot Ihres Raspberry Pi’s.

WinSCP und PuTTY

WinSCP ist ein kostenloser SFTP, SCP und FTP Client für Windows Betriebssysteme. Mit WinSCP ist es möglich, sich mit einem SSH (Secure Shell) Server mit SFTP (SSH File Transfer Protocol), einem SCP (Secure Copy Protocol) oder mit einem FTP (File Transfer Protocol) Server zu verbinden.

Da wir den Raspberry Pi „Headless“, also ohne eigenen Monitor betreiben möchten, benötigen wir WinSCP, damit wir uns mit dem Raspberry Pi verbinden können. WinSCP können Sie kostenlos auf der Website winscp.net herunterladen. Bei dieser Gelegenheit, sollten Sie sich auch gleich das ebenfalls kostenlose Programm „PuTTY“ herunterladen. PuTTY benötigen Sie um auf die Shell des Raspberry’s zuzugreifen.

Alles gemacht? Fein, legen Sie los! Jetzt wird der Raspberry Pi konfiguriert!

Start your Engine

Sofern Sie es noch nicht getan haben, stecken Sie jetzt die SD-Karte in Ihren Raspberry Pi. Verbinden Sie das Netzwerkkabel mit dem Raspberry und stecken stecken Sie es an einem freien Anschluss Ihres Rooters an. Den Netzteil verbinden Sie ebenfalls mit dem Raspberry. Achtung: Der Raspi hat keinen An-Aus-Schalter. Wenn Sie das Netzteil verbinden, fährt er sofort hoch.

LED-Anzeige am Raspberry Pi „B“

Der Raspberry hat auf der Vorderseite (unten) fünf verschiedene LED-Anzeigen. Achten Sie darauf!

  • D5 (ACT) leuchtet GRÜN: SD-Card Access
  • D6 (PWR) leuchtet ROT: 3.3V Power present
  • D7 (FDX) leuchtet GRÜN: Full Duplex, LAN connected
  • D8 (LNK) leuchtet GRÜN: Link activity
  • D9 (100) leuchtet GELB: 100m/bit LAN connected
Noch eine kleine Warnung: Trennen Sie den Raspberry Pi nicht einfach von der Stromversorgung – der Raspberry bzw. das Betriebssystem muss zuerst heruntergefahren werden. Verwenden Sie dazu den Shell-Befehl: „sudo shutdown -h now

Wenn Ihr Raspberry hochgefahren ist, können Sie mit WinSCP respektive mit PuTTY eine Verbindung aufbauen. Dazu benötigen Sie zu allererst die richtige IP-Adresse. Über das Verwaltungsinterface Ihres Routers ist die IP schnell herausgefunden. Suchen Sie einfach nach einem Gerät namens Raspi oder Raspberryip und verbinden Sie sich mit der Angabe der IP Adresse via WinSCP oder PuTTY mit Ihrem Minirechner. Der Standardanmeldename ist „pi“ das Standard-Passwort lautet: „raspberry„.

Einrichten von Rasbian (Betriebssystem)

Gut, Ihr Minirechner ist hochgefahren, die Verbindung steht. Nun werden wir den Raspberry konfigurieren und unseren Bedürfnissen anpassen. Geben Sie folgenden Befehl in der Shell ein:

pi@raspberrypi:$ sudo raspi-config

Ändern Sie zuerst mit „change_local“ Ihre Spracheinstellung auf „de_DE.UTF-8 UTF-8„. Dann bitte die richtige Zeitzone mit „change_timezone“ einstellen und das Passwort Ihres Raspberry Pi mit „Change User Passwort“ ändern. Zu guter Letzt sollten Sie auch im Konfigurationsmenü den Punkt „Expand Filesystem“ anwählen. Damit stellen Sie sicher, dass die Partition Ihres Raspi’s die volle SD-Kartengröße ausnützt. Danach booten Sie den Raspberry Pi neu.

Nach dem Neustart wird die Rasbian Wheezy Distribution auf den neuesten Stand gebracht. Verwenden Sie folgende Befehle für diesen Schritt:

pi@raspberrypi:$ sudo apt-get update
pi@raspberrypi:$ sudo apt-get upgrade

Dieser Vorgang beansprucht ein wenig Zeit. Holen Sie sich eine Tasse Kaffee bis Ihr Raspberry so weit ist. Wenn alles problemlos durchgelaufen ist, haben Sie Ihren Raspberry in den Grundeinstellungen fertig konfiguriert.

Nebenbei: Die wichtigsten Rasbian Befehle für den Anfang: Reboot und Shutdown

Wie schon erwähnt, sollten Sie den Raspberry nicht einfach vom Stromnetz trennen. Verwenden Sie stattdessen einen der beiden u.a Shutdown-Befehle. Sollten Sie nur einen flotten Reboot benötigen, weil Sie etwas an der Grundkonfiguration beändert haben, verwenden Sie „reboot„.

pi@raspberrypi:$ sudo shutdown -h now
pi@raspberrypi:$ sudo shutdown -h 0
pi@raspberrypi:$ sudo reboot

Apache2 Webserver für den Raspberry Pi installieren

Der Apache Webserver ist der beliebteste Webserver schlechthin. Für den Raspberry bietet sich daher dieser Server an, denn hier gibt es eine große Community und viel Know-how. Zum Installieren des Apache2 Webservers geben Sie einfach den Shell-Befehl:

pi@raspberrypi:$ sudo apt-get install apache2

ein. Wenn die Pakete fertig installiert wurden (2. Kaffeepause) können Sie gleich testen, ob die Apache Webserver läuft. Öffnen Sie dazu Ihren Browser und geben Sie in der Adresszeile die IP-Adresse (192.168….) Ihres Raspberry Pi Rechners ein. Wenn Ihr Browser nun Folgendes anzeigt, haben Sie gewonnen:

It works! This is the default web page for this server. The web server software is running but no content has been added, yet.

Die Seite, die Sie nun sehen, befindet sich im Webserver-Verzeichnis „/var/www/index.html„. Falls Ihnen das nicht gefällt, können Sie den Text mit dem Rasbian Editor „Nano“ ändern.

pi@raspberry:$ sudo nano /var/www/index.html

Mit einem „Reload“ im Browserfenster sollte Ihre Textänderung sofort angezeigt werden. Soweit so gut, da wir aber dynamische Seiten auf dem Webserver nutzen möchten, peppen wir den Apache Webserver um PHP und MySQL auf.

PHP und MySQL für den Raspberry Pi installieren

Mit der Scriptsprache PHP und der Datenbank MySQL sind Sie in der Lage dynamische Seiten auf Ihrem Webserver auszuführen.Um die beiden Komponenten zu verwenden, tippen Sie folgenden Befehl in das Fenster der Shell Eingabeaufforderung:

pi@raspberry: $ sudo apt-get install php5 libapache2-mod-php5 mysql-server mysql-client php5-mysql

Hier hat Ihr Raspberry einiges zu tun, sollten Sie noch zu wenig Koffein in der Blutbahn haben, genehmigen Sie sich Ihren dritten Kaffee, denn bis zur Installation aller Pakete vergeht ein wenig Zeit. Während des Installationsvorganges werden Sie aufgefordert, ein MySQL Root Passwort zu vergeben. Für unsere Zwecke genügt es vorerst ein einfaches Passwort (123456) das Sie sich leicht merken können zu wählen.

Nach der Installation der Pakete können Sie testen ob PHP auf Ihren Raspberry Pi funktioniert. Legen Sie einfach eine Datei mit dem systemeigenen Nano-Editor mit folgenden Inhalt an:

sudo nano /var/www/phpinfo.php
<? 
/* Testprogramm */
php
phpinfo();
?>

Wenn Sie nun in der Adresszeile des Browserfensters „[IhreIP-Adresse]/phpinfo.php“ eingeben, sollten Sie die Statusinformationen von PHP angezeigt bekommen.

PHPMyAdmin installieren

PHPMyAdmin hilft Ihnen dabei, die Inhalte bzw. Datenbanken auf Ihrem Raspberry Webserver komfortabel zu verwalten. Auch hier gibt es ein Paket zum Herunterladen und installieren. Verwenden Sie diesen Befehl dazu:

pi@raspberry: $ sudo apt-get install phpmyadmin

Wenn die Installation von PHPMyAdmin problemlos durchgelaufen ist, können Sie im Adressfeld des Browsers http://[IP-Adresse des Raspberry Pi’s]/phpmyadmin eingeben. Sie sollten sodann die Administrationsoberfläche von PHPMyAdmin sehen können. Wenn Sie sich jetzt noch an das Passwort für den Root-User erinnern können, tippen Sie es ein und freuen Sie sich, wenn Ihnen PHPMyAdmin nun eine Datenbank (mysql) für Ihre Web-Server-Spielereien zur Verfügung stellt. Viel Spaß also mit Ihrem eigenen Web-Server – wir wünschen gutes Gelingen für alle Ihre Web-Projekte.

Tipp: Midnight Commander auf den Raspi installieren

Sie bewegen sich nicht gerne tippender Weise durch die Ordner Ihres Rasperry Pi’s? Versuchen Sie mal den Midnight Commander. Wenn Sie ein alter Computer-Hase sind, kennen Sie sicher noch den Datei-Explorer namens Norton Commander. Der Midnight Commander (MC) sieht genauso aus. Probieren Sie ihn einfach:

apt-get install mc

Den Midnight Commander lässt sich mit folgendem Befehl starten.

mc

Fazit: Einen Webserver mit dem Raspberry Pi betreiben

Für uns ist der Raspberry Pi 2 eine feine Sache! Wir verwenden ihn als Test-Server, bevor ein wir Änderungen an Vitalmagazin.at vornehmen, als Protokoll-System und zum synchronisieren unserer Adress-Daten. Zuverlässig arbeitet er auch unsere Cron-Jobs ab und stellt uns ein Wiki-System für unsere Recherchen zur Verfügung. Das Schöne daran ist, dass wir unabhängig von anderen Diensten sind und die Verfügungsgewalt über all unsere Daten haben. Abgesehen davon, mögen wir Linux resp. Rasbian und können so ungehemmt mit unserem Web-Server herumspielen – eben so lange, bis er nicht mehr geht und das Spiel wieder von vorne losgeht.

Tja, wir sind begeistert und werden auch zukünftig über „pfiffige“ Anwendungsmöglichkeiten mit dem Raspberry Pi berichten.