Keine leichte Sache: Das digitale Zeitalter überflutet uns mit Informationen und Reizen. Wie Sie trotzdem kühlen Kopf bewahren und vom stressigen Multitasking Abschied nehmen, zeigen wir Ihnen heute.

Factbox:

Laut Studie schalten Sie Ihr Smartphone 88 Mal am Tag ein. 35 Mal davon, um nur auf die Uhr zu sehen. Die restlichen 53 Mal entsperren Sie Ihr Telefon um mit ihm eine App zu starten, eine E-Mail zu schreiben, im Internet zu surfen oder eben zu telefonieren. Gemessen an einem 8-8-8 Stunden Tag, unterbrechen Sie also alle 18 Minuten irgendeine Tätigkeit um sich mit ihrem Handy zu beschäftigen.

Smartphone Detox: der fragmentierte Tag

88 Mal Handy einschalten, die täglichen E-Mails bearbeiten, telefonieren, Besprechungen und nebenbei Projekte durchziehen. So sieht der Alltagsjob bei vielen aus. In der Freizeit ist das Smartphone immer griffbereit, man beteiligt sich an WhatsApp Gruppen, chattet mit Freunden und scrollt nebenbei die Facebook, Twitter und Google+ Timelines durch.

Der Mythos „Multitasking“

Auch wenn sich der Mythos zum „Multitasker“ hartnäckig hält: Wir können NICHT alles zur selben Zeit machen! Ja klar, bei einfachen automatisierten Tätigkeiten mag das „Multitasking“ ja noch okay sein. Sobald es aber komplizierter wird, hat auch das Multitasking ein Ende. Wenn Sie nun argumentieren, dass Sie eben doch ein talentierter Multitasker sind, und sehr wohl mehrere Tätigkeiten auf einmal ausführen können, ist das lediglich nur ein Gefühl. Genau genommen wechseln Sie ultraschnell zwischen mehreren Aufgaben hin und her. Deshalb leidet Ihre Aufmerksamkeit und Sie führen die Aufgaben nur unzureichend oder gar fehlerhaft aus.

Ein Beispiel: Studien zufolge, sinkt die Reaktion eines Autofahrers bei gleichzeitigen fahren und telefonieren auf dasselbe Niveau, wie Sie es hätten, hätten Sie zwei Glas Bier gesoffen.

Computer vs. Hirn

Wenn Sie in den Neunzigerjahren einen „Multitasking“ Computer hatten, kennen Sie die Fehlermeldung „Nicht genügend Arbeitsspeicher vorhanden“. Was passierte hier? Nun, Sie starteten mehrere Programme zur selben Zeit – Multitasking eben.

Programm A wird in den Arbeitsspeicher geladen und Sie starten ungeduldig Programm B. Das Laden von Programm A wird unterbrochen und das Laden von Programm B wird ausgeführt. Wenn Sie nun zu den ganz Ungeduldigen gehörten, wechseln Sie flugs wieder zu Programm A, in der Hoffnung diese in der Zwischenzeit startklar vorzufinden. Nun raten Sie mal: Das Laden von Pogramm B wird unterbrochen und Programm A wird wieder geladen. Damit sind Sie wieder am Anfang! Computer Speziallisten nennen das „Trashing“. Für das parallele Abarbeiten von mehreren Programmen war schlicht kein Platz im Arbeitsspeicher. Aus heutiger Sicht klappt das wesentlich besser. Kein Wunder, der Arbeitsspeicher Ihres Rechners hat in den letzten 20 Jahren deutlich zugelegt. Ihr Speicherplatz im Kopf jedoch nicht.

Wenn Sie denken, dass dieser Vergleich weit hergeholt ist, fragen Sie den Neurologen Ihres Vertrauens. Zum Vergleich: In Ihren beiden Frontallappen findet sich sozusagen Ihr „Arbeitsspeicher“. Mehrere Aufgaben werden in einem der beiden zwischengespeichert und Ihr präfrontaler Cortex schaltet zwischen ihnen hin und her. Das bedeutet, dass Sie nie und nimmer komplexe Aufgaben zeitgleich durchführen können. Höchstens können Sie zwischen den Aufgaben „switchen“ das war’s aber schon auch. Immerhin können Sie so sicher sein, dass Sie keine der Aufgaben optimal bewältigen.

Smartphone Detox: zurück zum „Flow“

Die permanenten Unterbrechungen durch unseren exzessiven Medienkonsum trainiert also keineswegs unser Multitasking, sondern sorgt vielmehr dafür, dass wir uns unseren Tätigkeiten nur mehr halbherzig widmen. Wir verlernen dadurch auch die Fähigkeit, uns auf eine einzige Sache zu konzentrieren und sie voller Energie umzusetzen.

So geht’s: Den Flow reiten

Der Flow ist der optimale Zustand für das Schaffen, zu dem ein Mensch fähig ist. So beschreibt der Glücksforscher und Psychologe Mihály Csíkszentmihályi die Flow-Theorie. Am Beispiel von Chirurgen und Leistungssportlern beobachtet er ein völliges Aufgehen in der Tätigkeit, die sie gerade verrichteten. Gleichzusetzen mit einer Art Trance, bei der absolute Spitzenleistungen möglich sind. Diesen Zustand (gesegnet ist der, der ihn kennt) erreichen Sie nur mit:

  • Einer klaren Zielsetzung
  • Mit voller Konzentration auf die Aufgabe
  • Der Kontrolle über die Aufgabe
  • Mit dem Einklang von Anforderungen und Fähigkeiten

Ebenso wichtig für das Erreichen des „Flows“ ist es, sich der Aufgabe konsekutiv, also ohne Unterbrechungen zu widmen. Die absolute Tiefenkonzentration können Sie nur so erreichen und bei dem was Sie tun, die vollste Befriedigung zu erfahren. Klar, die Aufgabe muss Ihnen zudem auch Freude bereiten. Stimmen die Voraussetzungen, versinken Sie in einen meditativen Zustand und vollbringen schier Unglaubliches. Reiten Sie auf dem „Flow“, sind Sie kreativ, Sie erfinden, erschaffen und entdecken. Klingelt Ihr Smartphone dabei, ist auch der „Flow“ Geschichte …

Packen  Sie Ihr Smartphone weg

Entscheidungsdesign: Sie müssen Ihr Smartphone nicht „griffbereit“ haben. Verbannen Sie den Störenfried einfach in die unterste Ecke Ihrer Tasche. So werden Sie nicht verleitet, mal eben den Newsfeed durchzuscrollen. Nutzen Sie die „Nicht stören Funktion“ oder besser schalten Sie Ihr Smartphone doch einmal für ein paar Stunden aus. Vor allem dann, wenn Sie sich einer fordernden Aufgabe stellen. Sie werden sehen, wenn Sie Ihr zeitfressendes Engagement auf diversen sozialen Kanälen auf ein Minumum reduzieren, maximieren Sie Ihre Leistungsfähigkeit.

Holen Sie sich den kostenlosen vitalen Newsletter!

vitalmagazin-newsletterder beliebte vitale Newsletter liefert Ihnen 1x im Monat grandiosen Lesestoff, viele Tipps, pipifeine kostenlose Downloads und natürlich auch Informationen über die kommenden vitalen Veranstaltungen. Zaudern Sie nicht und tragen Sie sich für den kostenlosen Newsletter ein.

Ein persönliches Fazit: „Smartphone Detox“

Kein Grund zur Sorge. Mein multimediales Burnout ist ungefähr so realistisch, wie Herr Lugner jemals Bundespräsident wird (nicht böse sein, Herr Lugner, ich bin ein großer Fan von Ihnen, auch wenn Sie kein Staatsoberhaupt werden).

Seit Anfang des Jahres ist mein Smartphone eben nicht mehr „griffbereit“. Genauso nehme ich mir heraus, dass ich eben nicht auf jeden Anruf sofort reagiere. Die Facebook App am Handy habe ich deinstalliert und mein Engagement in Chats und in diversen sozialen Netzwerken fällt auch wesentlich geringer aus. Wenn Sie möchten, können Sie das als eine Art Smartphone Detox bezeichnen. Insofern ergibt das auch eine neue Art von Kommunikation, wer mich todsicher erreichen möchte, ruft mich einfach an oder muss damit rechnen, dass ich die Facebook oder WhatsApp Nachricht nicht oder einfach nur zu spät gelesen habe. Man wird sehen, wie das in Zukunft läuft – ich werde berichten. Eines ist jedoch jetzt schon sichergestellt: Mein Smartphone Akku hält jetzt dreimal so lange durch als üblich.

Quellen zum nachlesen: